Leibniz-Forschungsverbund
Historische Authentizität

© ZZF/Dominik Juhnke

Themenlinien

Authentizität in ideen- und begriffsgeschichtlicher Perspektive

Semantiken und Konzepte - Authentisierungsprozesse im Wandel - Instanzen der Authentisierung - Authentizität und Wertediskurs

Themenlinie I widmet sich ausgehend von der Annahme, dass historische Authentizität insbesondere diskursiv erzeugt wird, den Semantiken und Konzepten des Authentischen. Der Schwerpunkt gilt Forschungen zum neuzeitlichen Wandel von Authentizitätsdiskursen seit dem 16. Jahrhundert, den damit verbundenen Änderungen von Authentisierungsprozessen sowie der Ausbildung eines "kollektiven Gedächtnisses". Es werden dabei die verschiedenen Instanzen der Authentisierung (Texte, Personen, Objekte, Ereignisse) ebenso in den Blick genommen wie die Einbettung der Authentisierungsdiskurse und -prozesse in (kollektive) religiöse, moralische oder ethische Wertehorizonte.


(V)Ermittlung des Authentischen im Museum und sammlungsbezogenen Einrichtungen

Sammlungsidentitäten - Restaurierungsforschung - Vermittlungsforschung - Wissensgeschichte und Materielle Kultur

Eine Reihe von Praktiken des Authentisierens verleiht Objekten, Sammlungen und dem davon abgeleiteten Wissen ihren "authentischen" Wert für die Forschung und die Vermittlungs- und Bildungsarbeit in Museen, Archiven und vergleichbaren Einrichtungen. Diese Praktiken betreffen sowohl die "Ermittlung" als auch die "Vermittlung" von Authentizität: Zwischen diesen beiden Polen bestimmt sich der Wert eines Objektes oder einer Sammlung für die Gesellschaft.

Ziel der Themenlinie ist es, auf einer breiten, interdisziplinären Basis zu reflektieren, welche Bedeutungsdimensionen und Funktionen "Authentizität" im Museum und in vergleichbaren Einrichtungen zukommt. Erforscht werden soll, welche Authentisierungspraktiken und Beglaubigungsstrategien angewandt werden, wie "Authentizität" "ermittelt" und wie sie "vermittelt" wird, und welche Bedeutung ihr bei den Besuchern zukommt. Durch die Entwicklung von Forschungsprojekten sowie mit internationalen Tagungen, Workshops und Publikationen will die Themenlinie einen Beitrag leisten, die Dialog- und Vermittlungsarbeit sowie die Sammlungsstrategien von Museen und anderen sammlungsgeleiteten Forschungseinrichtungen zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Dadurch sollen auch wesentliche Anregungen für die Museumspraxis entstehen.


Überlieferungsräume historischer Authentizität

Denkmalpflege - Gedenkstätten - Geovisualisierung - StadtLandschaften - Tourismusgeschichte - Weltkulturerbe

Untersucht werden Grundfragen des Authentischen in städtebaulichen und kulturlandschaftlichen Diskursen sowie wissensspezifische und mediale Beglaubigungsstrategien von historischen Überlieferungsräumen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Denkmalpflege, dem Umgang mit der Baukultur, dem UNESCO-Weltkulturerbe sowie dem Geschichtstourismus in und außerhalb Europas. Untersucht wird die Rolle von unterschiedlichen Akteuren und nationalen und transnationalen Organisationen bei der Zuschreibung von Authentizität. Diese Fragen werden im Kontext von Fortschritts- und Modernisierungsdiskursen für den Zeitraum vom 19. Jahrhundert bis heute in transnationaler Perspektive analysiert.


Historische Authentizität als politisches und kulturelles Argument

Erinnerungskonflikte - Opferidentitäten - Public History - ReEncactment - Schulbuchforschung - Zeitzeugennarrative - "Immaterielles" Erbe

Geschichtspolitische und erinnerungskulturelle Konflikte sind durch Rekurse auf historische Authentizität geprägt. Diese werden zur Begründung und Abgrenzung von "Kulturen" und "Gemeinschaften", von nationalen, ethnischen, religiösen und anderen gruppenspezifischen Identitäten sowie zur Legitimation von Macht- und Herrschaftsansprüchen herangezogen. Untersucht wird der Wandel von Authentizitätswahrnehmung und Authentizitätszuschreibung in internationalen und transnationalen Perspektiven. Dies erfolgt anhand von Projekten zu gesellschaftlichen, ethnischen, ideologischen und religiösen Erinnerungskonflikten und Machtbeziehungen, zur heroischen und viktimistischen Authentizität, zur Bedeutung von Zeitzeugenschaft und Autobiographik, dem Stellenwert des Authentischen in der Gedenkstättenarbeit und in verschiedenen Formaten der Public History. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Erforschung unterschiedlicher Modi des kollektiven Gedächtnisses sowie Quellen und Medien des Authentisierens gelegt: Von der mündlichen Überlieferung über autobiographische Selbstzeugnisse, Schulbücher und den Umgang mit wissenschaftlichen Sammlungen und materieller Kultur bis hin zu medialen Inszenierungsstrategien und zum Re-Enactment.

 

 

Arbeitsgruppen

Der Forschungsverbund hat verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die an einzelnen Themenschwerpunkten arbeiten.